Arbeiten in den Niederlanden

Arbeiten Niederlanden

Beschäftigen Sie als ausländischer Arbeitgeber Arbeitnehmer in den Niederlanden? In einigen Bereichen – wie z. B. Steuerpflicht und Arbeitsbedingungen – haben Sie in diesem Fall mit diversen Regelungen zu tun. Möglicherweise haben Sie folgende Fragen:

  • In welchem Land sind die Arbeitnehmer steuerpflichtig?
  • Wo sind die Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig?
  • Welches Arbeitsrecht gilt?
  • Sind die Arbeitnehmer berechtigt, in den Niederlanden zu arbeiten?
  • Gibt es eine Registrierungspflicht gemäß dem niederländischen Gesetz über die Entsendung von Arbeitskräften durch Vermittler (Wet allocatie arbeidskrachten door intermediairs – WAADI)?
  • Wird das niederländische Gesetz über Arbeitsbedingungen für innerhalb der EU entsandte Arbeitnehmer (Wet arbeidsvoorwaarden gedetacheerde werknemers in de Europese Unie – WagwEU) eingehalten?

Im Folgenden erläutern wir Ihnen die wesentlichen Punkte, die Sie berücksichtigen müssen. Dabei ist zu beachten, dass in jedem Bereich eigene Vorschriften (Verträge, EU-Verordnungen, nationale Gesetze) gelten, die es zusätzlich kompliziert machen, jeden einzelnen Fall gut zu beurteilen.

Steuerpflicht

Um zu vermeiden, dass ein Arbeitnehmer in zwei Staaten Steuern zahlen muss, gibt es Besteuerungsabkommen, in denen geregelt wird, welches Land wann Steuern erheben darf. Arbeitnehmer, die einer Erwerbstätigkeit in den Niederlanden nachgehen, sind auch in den Niederlanden steuerpflichtig, es sei denn, dass sie sich weniger als 183 Tage im Jahr in den Niederlanden aufhalten. Bei der Berechnung dieser 183-Tage-Regelung zählen alle Tage mit, an denen sich der Arbeitnehmer im Arbeitsland aufgehalten hat, also auch Wochenenden und Urlaubstage. Ein Teil eines Tages wird als vollständiger Tag gezählt.

Von dieser 183-Tage-Regelung gibt es jedoch zahlreiche Ausnahmen, die bewirken, dass ein Arbeitnehmer doch bereits ab dem 1. Tag in den Niederlanden steuerpflichtig ist. Die 183-Tage-Regelung gilt nicht, wenn:

  • der Arbeitgeber, der den Lohn in den Niederlanden bezahlt, in den Niederlanden ansässig ist oder der Lohn von einem in den Niederlanden ansässigen Arbeitgeber oder in dessen Auftrag bezahlt wird; oder
  • der Lohn von einer Betriebsstätte in den Niederlanden getragen wird.

Es kann vorkommen, dass der Arbeitgeber die niederländische Lohnsteuer nicht dem Arbeitnehmer weiterberechnet. In diesem Fall stellt die Vergütung von niederländischer Lohnsteuer steuerpflichtigen Lohn dar.

Das folgende Beispiel macht dies deutlich: Heinz arbeitet in Deutschland und verdient € 5.000 brutto pro Monat. Pro Monat werden € 2.000 an Lohnsteuer einbehalten. Er erhält ein Nettogehalt von € 3.000 pro Monat. Heinz wird von seinem Arbeitgeber für zwei Wochen in die Niederlande entsandt; dabei besteht ab Tag 1 Steuerpflicht. Der Arbeitgeber lässt ordnungsgemäß die niederländische Lohnsteuer berechnen und abführen; in diesem Beispiel gehen wir von einem Betrag von € 500 an niederländischer Lohnsteuer aus. Der Arbeitgeber hat mit Heinz vereinbart, dass diese zusätzliche Lohnsteuererhebung nicht zu Lasten von Heinz gehen soll und behält deshalb die € 500 nicht vom Gehalt des Arbeitnehmers ein. Hierdurch erhöht sich die letztendlich zu zahlende Lohnsteuer: Über die vorher berechneten
€ 500 müssen auch wieder Steuern entrichtet werden. Dem Arbeitgeber entstehen dadurch also höhere Personalkosten.

Selbstverständlich werden wir Sie bestmöglich beraten, um Ihre Arbeitgeberaufwendungen so niedrig wie möglich zu halten.

Versicherungspflicht:

Wenn der Arbeitnehmer eine A1-Erklärung hat, müssen keine Sozialversicherungsbeiträge in den Niederlanden berechnet und gezahlt werden. In einer A1-Erklärung ist angegeben, in welchem Land der Arbeitnehmer versichert ist. Der Arbeitnehmer kann die Erklärung in dem Land, in dem er wohnhaft ist, beantragen, bevor er seine Tätigkeit in den Niederlanden aufnimmt. Wenn der Arbeitnehmer nicht im Besitz einer A1-Erklärung ist, müssen Sozialversicherungsbeiträge berechnet werden und ist er somit in den Niederlanden sozialversichert.

Arbeitsberechtigung

Der Arbeitnehmer muss berechtigt sein, in den Niederlanden zu arbeiten. Folgende ausländische Arbeitnehmer dürfen in den Niederlanden arbeiten:

  • Arbeitnehmer mit der Nationalität eines EU-Staates, mit Ausnahme von Kroatien;
  • Arbeitnehmer aus der Schweiz;
  • Arbeitnehmer mit einer Aufenthaltsgenehmigung mit dem Vermerk „Erwerbstätigkeit uneingeschränkt erlaubt“.

Für sonstige Arbeitnehmer muss eine Beschäftigungserlaubnis (tewerkstellingsvergunning – TWV) oder eine kombinierte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung (gecombineerde vergunning voor verblijf en arbeid – GVVA) beantragt werden. Letztere kombiniert eine Aufenthaltsgenehmigung mit der Beschäftigungserlaubnis. Die Beantragung der benötigten Genehmigungen ist für einen Migranten, der aufgrund seiner Qualifikation die Genehmigung hat, in einem Land zu arbeiten (ein sogenannter hochqualifizierter Migrant), relativ einfach. Für die sonstigen Kategorien ist das Antragsverfahren sehr aufwendig.

WAADI

Das Gesetz über die Entsendung von Arbeitskräften durch Vermittler (WAADI) verbietet es, in den Niederlanden Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen, wenn Sie bei der Industrie- und Handelskammer nicht als Personalvermittlungsunternehmen eingetragen sind. Wenn unter die Aktivitäten eines Unternehmens die Bereitstellung von Personal fällt, muss das Unternehmen, dem das Personal zur Verfügung gestellt wird, überprüfen, ob das bereitstellende Unternehmen als solches bei der niederländischen Industrie- und Handelskammer eingetragen ist. Wenn die Eintragung nicht ordnungsgemäß in diesem Sinne ist, machen Sie das Unternehmen unbedingt darauf aufmerksam und tragen Sie dafür Sorge, dass doch noch eine korrekte Registrierung erfolgt. Sowohl Sie als Auftraggeber als auch das Unternehmen, welches das Personal zur Verfügung stellt, riskieren sonst Bußgelder.

Einhaltung WagwEU

Das Gesetz über die Arbeitsbedingungen für innerhalb der EU entsandte Arbeitnehmer (WagwEU) schützt Arbeitnehmer, die aus dem Ausland in die Niederlande entsandt wurden. Die entsandten Arbeitnehmer haben Anspruch auf die wichtigsten Arbeitsbedingungen in den Niederlanden in den Bereichen gesetzlicher Mindestlohn, Ruhezeiten, Sicherheit, Gleichbehandlung von Männern und Frauen sowie Urlaubstage.

Wir können Sie auf dem breiten Gebiet der internationalen / grenzüberschreitenden Arbeit und Expats umfassend beraten. Dabei arbeiten wir in Ihrem Interesse: Wir helfen Ihnen, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten und schützen Sie gleichzeitig vor den Risiken und Fallstricken, die das Arbeiten in einem fremden Land für Sie als Arbeitgeber birgt. Selbstverständlich sprechen wir Ihre Sprache. Nehmen Sie dazu mit unseren Beratern über international@acconavm.nl Kontakt auf oder nutzen Sie dafür das nachstehende Kontaktformular.

Kontaktformular




<< Zurück zur Übersicht